Magersucht oder Anorexie (Anorexia nervosa)

Der Weg aus der Anorexie war alles andere als leicht. So viele schwere Momente, wo ich mich für oder wider die Krankheit entscheiden musste, traten in der Genesungsphase auf. Ganz ehrlich bin ich auch der Meinung, dass man nicht von dieser Krankheit “geheilt” werden kann. Doch ich glaube daran, dass man aus eigener Kraft und mit Unterstützung von Fachpersonen, sowie von Familie und Personen, die einen lieben, einen Weg finden kann, mit dieser Krankheit umzugehen und wieder ein gesundes, fröhliches Leben führen kann.

Ich habe diesen Weg für mich gefunden. Es hat mich Jahre gebraucht, jedoch fühle ich mich heute glücklicher und gesünder denn je.
— S.D. ehemalige Betroffene
 
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Kriterien für die Diagnose Anorexie

Das wichtigste Merkmal der Magersucht oder Anorexie ist das Untergewicht. Der BMI ist gleich oder kleiner als 17.5.  Bei Jugendlichen gilt als Anorexie-Kriterium, dass das Gewicht unter der 3. BMI-Perzentile liegt. Das Untergewicht allein rechtfertigt die Bezeichnung Magersucht aber nicht, da besonders Jugendliche aus Wachstumsgründen im Verhältnis zu ihrer Grösse oft noch untergewichtig sind. In der Regel normalisiert sich dies später und ist nicht als krankhaft zu werten.
Von Magersucht spricht man, wenn folgende weiteren Merkmale zutreffen:

  • Trotz Untergewicht besteht eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme.
  • Die Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts ist verzerrt: Menschen mit Magersucht fühlen sich trotz Untergewicht dick und unförmig, gewisse Körperpartien (z.B. Bauch, Oberschenkel) können sie enorm beschäftigen.
  • Durch strenges Fasten, übermässiges körperliches Training, Missbrauch von Abführmitteln und harntreibenden Mitteln (Diuretika) oder durch Erbrechen wird versucht, das Gewicht möglichst tief zu halten oder zu senken. Man unterscheidet hier zwei Typen von Anorexie: den restriktiven Typ (=ständig Diät halten) und den Binge-Eating/Purging-Typ (=zwischendurch Essanfälle und/oder Erbrechen). Etwa 2% der Menschen mit Anorexie haben Essanfälle, etwa 15% erbrechen.
  • Die Geschlechtsdrüsenfunktion ist beeinflusst: Bei Frauen bleibt die Menstruationsblutung aus. Mit hormonellen Verhütungsmitteln haben die meisten Untergewichtigen Blutungen.

Atypische Anorexie oder «Nicht näher bezeichnete Essstörung»

Es gibt die Diagnose Nicht näher bezeichnete Essstörung (Eating disorder not otherwise specified EDNOS), wenn nicht alle Kriterien einer Essstörung zutreffen. Bei der Anorexie wird diese Diagnose etwa gestellt, wenn eine Frau regelmässige Menstruationen hat. Ebenso trifft diese Diagnose zu für Menschen, die (noch) nicht untergewichtig sind, aber sonst alle Kriterien einer Magersucht erfüllen. Möglich ist auch die Diagnose atypische Anorexie.

Weitere Merkmale

  • Ein ausgesprochener Bewegungsdrang ist typisch. Nicht selten bewegen sich Menschen mit Anorexie bei jeder Gelegenheit und können erstaunlicherweise auch mit starkem Untergewicht Sport treiben.
  • Viele Menschen mit Magersucht trinken sehr viel (z.B. Kaffee oder Cola Zero). Andere trinken zu wenig.
  • Typisch sind ständiges Kalorienzählen, sehr häufiges Auf-die-Waage-Stehen und eine dauernde Beschäftigung mit Essen. Ebenfalls typisch sind auffällige Essrituale. Nicht selten kochen Menschen mit Magersucht für andere, essen dann selbst aber nicht mit.
  • Oft fehlt lange die Einsicht, dass etwas nicht stimmt mit dem Essverhalten. Auch die körperlichen und psychischen Folgen des Untergewichts werden oft lang verleugnet.

Psychische Folgen

Leistungsfähigkeit sinkt

Durch schweres Untergewicht und schlechte Ernährung wird die psychische und körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt, es kann zu Konzentrationsstörungen und chronischer Müdigkeit kommen.

Depressionen können auftreten

Die Stimmung wird labiler, die Betroffenen werden empfindlicher. Es können Depressionen, Zwangs- und Angststörungen auftreten. 

Körperliche Auswirkungen

Die Auswirkungen des Untergewichts auf den Körper sind schwer und zahlreich. Viele Organe und Organsysteme können betroffen sein. Speziell gefährlich sind die Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem und das Blut. Magersucht ist gefährlich: Die Mortalitätsrate liegt bei ca. 10-12% durch Verhungern, Elektrolytungleichgewicht oder  Suizid. Bei jungen Frauen ist die Magersucht die häufigste Todesursache. 

Während die meisten Begleiterscheinungen der Magersucht reversibel sind, trifft dies nicht zu für die Auswirkungen auf das Skelett. Bei Untergewicht von über einem Jahr muss mit einem Verlust an Knochensubstanz gerechnet werden, welcher nicht mehr kompensiert werden kann (Osteopenie, Osteoporose). Betroffene müssen in der Folge mit lebenslang erhöhter Knochenbrüchigkeit leben.

Wenn die Magersucht in der Wachstumsphase auftritt, kommt es zur Verzögerung des Wachstums bis hin zum Wachstumsstillstand. Die psychosexuelle Entwicklung ist bei Jugendlichen verzögert. Diese Verzögerung wird meist nach der Genesung nachgeholt.

Anorexie: Verlauf

Die Magersucht beginnt sehr häufig im Alter von 14-18 Jahren, kann aber auch früher oder später eintreten. Der Verlauf kann völlig unterschiedlich sein: Bei den einen bleibt es bei einer kurzen Krise mit rascher Erholung, andere erleben Rückfälle. Bei anderen wieder wird die Magersucht chronisch. Nicht selten beginnt sie als restriktive Magersucht und schlägt dann in Magersucht vom Binge-Eating/Purging-Typ um. Häufig ist auch gleichzeitiger Gewichtsanstieg bis zu einem BMI von über 17.5. Die Magersucht schlägt in diesem Fall in eine Bulimie um.

 


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Selbsthilfe/Infoflyer: Anorexie

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