Essstörungen in der Schule/Ausbildung

Wenn eine Lehrperson vermutet, dass eine Person eine Essstörung hat, gilt grundsätzlich, dass die betroffene Person immer angesprochen werden sollte.

Beziehungsstatus

Die Art, wie eine Lehrperson eine Betroffene anspricht, hängt davon ab, ob eine vertrauensvolle Beziehung besteht oder aufgebaut werden kann. Die Lehrperson steht beziehungsmässig in einem Zwischenbereich zwischen der Rolle von Angehörigen, Freunden oder Aussenstehenden.

Gesprächsziele

Die Lehrperson soll sich als Ziel setzen, authentisch zu sein; sie darf sich nicht aus Angst vor Konfrontation davon abhalten lassen, die eigenen Beobachtungen,  Gedanken und Ängste den Betroffenen mitzuteilen. Dabei sind Transparenz, Flexibilität,  Planung und Geduld im Umgang mit Betroffenen erforderlich. Es ist wichtig, die Person taktvoll anzusprechen und zu signalisieren, dass man an ihrem Wohlergehen interessiert ist und nicht aus Pflichtgefühl handelt. Ebenfalls wichtig ist, dass die Lehrerschaft orientiert ist und nur eine Lehrperson als Ansprechperson Kontakt mit der Schülerin aufnimmt.

Ansprache

Die/Der Betroffene soll alleine und direkt angesprochen werden, zu einem passenden Zeitpunkt,  der sorgfältig vorbereitet werden muss. Am besten ist es, die Person in der Ich-Form über konkrete Beobachtungen und Auffälligkeiten (siehe nachstehende Tabelle) zu informieren. Generell sollen abwertende Bemerkungen vermieden werden.

Es soll Verständnis gezeigt werden, ohne jedoch die Essstörung gutzuheissen. Gefühle wie Sorge, Angst, Ärger und Hilflosigkeit können angesprochen werden. Es kann sein, dass die Betroffene in einem ersten Gespräch alles abstreitet. Dadurch soll man sich nicht entmutigen lassen. Häufig wird die Mitteilung von der Betroffenen trotzdem aufgenommen. Die Gespräche sollen in regelmässigen Abständen wiederholt werden. Gespräche mit den Eltern sollen nur nach Absprache mit der Betroffenen stattfinden. Es soll ebenfalls signalisiert werden, dass Eltern, Lehrkräfte und Therapeuten verschiedene Funktionen haben und getrennte Verantwortung übernehmen.

Holen Sie sich fachliche Hilfe!

Bei Schwierigkeiten ist es empfehlenswert, mit Fachpersonen in Kontakt zu treten. Die Betroffene selber soll auf Fachstellen aufmerksam gemacht und bei der Suche nach professioneller Hilfe unterstützt werden. Es ist wichtig, die gesunden Anteile der Betroffenen wahrzunehmen und der Person keine Sonderbehandlung innerhalb der Klasse einzuräumen. Konflikte in den Klassen sollen offen angegangen werden. In prekären körperlichen und psychischen Situationen ist ärztlicher Rat einzuholen, z. B. für Skilager etc. 
Siehe auch Lehrpersonen: Fortbildung oder Infoveranstaltung