“Man kann diese Krankheit besiegen. Ich habe es selbst geschafft. Egal wie steinig er ist, es gibt einen Weg zurück ins Leben.”
— ehemalige Betroffene

Therapie

Fachliche Begleitung bei Essstörungen und Essproblemen ist ausgesprochen sinnvoll. Es gibt keine Patentlösung für ein Essproblem. Jede Person hat eine andere Geschichte und eine andere Problematik. Je nachdem wird sie von anderen Behandlungswegen profitieren. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, das Thema Essen von mehreren Seiten anzugehen:

  • Sehr sinnvoll ist eine psychotherapeutische Behandlung. Bei Jugendlichen wird der Einbezug der Familie in die Therapie empfohlen.
  • Um körperliche Begleiterscheinungen zu kontrollieren und minimieren, ist die Begleitung durch eine ärztliche Fachperson, die sich mit Essstörungen auskennt, empfehlenswert – bei Untergewicht ist sie zwingend.
  • Eine Ernährungsberatung bei einer Fachperson, die auf Essstörungen spezialisiert ist, hilft, das Essverhalten zu normalisieren und sich wieder gesunde Ernährungsmassstäbe anzugewöhnen.
  • Der Besuch von Selbsthilfegruppen oder geleiteten Gruppen hilft im Falle von Bulimie und Binge Eating, die Isolation aufzuweichen, die Scham über die Essstörung zu überwinden, den Selbstwert aufzubauen und einander zu motivieren.
  • Das Aufnehmen körperlicher Betätigung, bei der der Fokus auf Genuss und nicht auf Leistung oder Kalorienverbrennen liegt, hilft, das Körpergefühl und damit auch das Körperbild zu verbessern.

Der Ausstieg aus einer Essstörung kann Monate bis Jahre dauern und verschiedene Phasen beinhalten, die durchaus auch von Rückfällen geprägt sein können. Nach der Behebung der akuten Symptomatik vergeht oft noch eine längere Zeit, bis sich das Essverhalten völlig normalisiert und die Person sich wieder auf ihr Hunger- und Sättigungsgefühl verlassen kann.

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Therapiestrategien bei Essstörungen

Systemische Therapie
Dieser Ansatz beruht auf der Annahme, dass die Essstörung Ausdruck von Schwierigkeiten in einem Beziehungssystem – in der Regel ist das die Familie – ist. Sämtliche Personen im System leiden unter der Essstörung, gleichzeitig hilft sie, ein labiles Gleichgewicht aufrecht zu erhalten und Konflikte oder unerwünschte Veränderungen zu kontrollieren. Die systemische Therapie führt zur Klärung der Rollen und Beziehungsmuster und verbessert die Kommunikation. Die Essstörung verliert dadurch an Bedeutung und wird letztendlich überflüssig. Systemische Therapien finden im Einzel-, Paar- oder Familiensetting statt. Der Einbezug der Familie kann vor allem bei jungen Menschen die Therapiemotivation erhöhen. Verhaltensänderungen der Familienmitglieder können ebenfalls eine positive Auswirkung auf das Essverhalten haben.

Körpertherapie
Eine Essstörung findet im Körper statt und ist in sich auch eine Art Auseinandersetzung mit dem Körper. Menschen mit Essstörungen haben oft eine verzerrte, negative Wahrnehmung von sich selbst und fühlen sich auch bei Normal- oder Untergewicht zu dick. Die Schwierigkeiten, den eigenen Körper wahrzunehmen und einzelne Teile zu akzeptieren, werden mit körpertherapeutischen Methoden direkt angegangen. Durch spezifische Techniken wie Entspannungs- und Wahrnehmungsübungen werden ein besseres Körpergefühl und eine neue Körperakzeptanz angezielt. Auch das Thema Weiblichkeit, Männlichkeit,  Selbstsicherheit kann sehr gut über den Körper angegangen werden. Hier kann auch körperorientierte Sexualtherapie hilfreich sein.

Kognitive Verhaltenstherapie
Das Essverhalten kann direkt mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansätzen angegangen werden. Im Zentrum dieses Modells steht die Idee, dass dysfunktionale Gedanken über Nahrung, Diät und Gewichtskontrolle sowie inadäquate Bewältigungsstrategien für die Lösung von Problemen bei Essstörungen eine wichtige Rolle spielen. Das Essverhalten wird mit Hilfe eines Esstagebuches protokolliert, und die Mahlzeitenstruktur wird organisiert, dies oft unter Einbezug einer Ernährungsberatung. Die mit dem Essverhalten verbundenen Gefühle und Gedanken werden aufgedeckt und untersucht, und alternative Strategien zum Umgang mit ihnen werden eingeübt.

Kreativtherapie
Weitere nicht verbale Therapienformen sind Behandlungen, die aus dem Bereich der Kreativtherapie (auch Maltherapie oder Gestalttherapie mit kreativen Medien) stammen. Personen werden dabei unterstützt, Bedeutung, Sinn und Funktion der Essstörung im eigenen Leben hauptsächlich plastisch darzustellen und zu verarbeiten. Diese Methoden werden meistens in Kombination mit anderen Therapieformen angewendet.

Gruppen
Viele Menschen mit Essstörungen sind froh, andere Personen mit ähnlichen Problemen kennen zu lernen. Das hilft zum einen aus der Isolation heraus und zum anderen stärkt es das Selbstwertgefühl, wenn man merkt, dass man nicht alleine da steht. Die Gruppe erlaubt eine Auseinandersetzung mit mehreren Personen. Eigene Konflikte können reinszeniert und dadurch erkannt werden. Zudem ist es oft einfacher, als Gruppe Ziele anzugehen und Verhaltensänderungen anzustreben. Erfolge bei den einen wirken für die anderen motivierend.

Psychodynamische/tiefenpsychologische Therapie
Intrapsychische Konflikte, die in enger Verbindung mit Essstörungen stehen, werden in psychodynamischen Therapien behandelt. Der Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung ist in der ersten Phase der Therapie zentral. Die emotionale, familiäre und psychosoziale Situation, in welcher die Essstörung begonnen hat, und die in den Augen der Betroffenen auslösenden Faktoren werden besprochen und analysiert. Dabei steht die Bedeutung der Symptome innerhalb der persönlichen Entwicklung im Vordergrund.

Stationäre psychotherapeutische Behandlung
Die stationäre Psychotherapie ist für Menschen vorgesehen, die ein schweres Krankheitsbild aufweisen: schweres Untergewicht, rapide Gewichtsabnahme oder gravierende somatische Auswirkungen wie häufiges Erbrechen mit Neigung zu Stoffwechselentgleisung. Psychiatrische Begleiterkrankungen im Sinne von zusätzlichen schweren Persönlichkeitsstörungen, Angst- und Zwangsstörungen, Suchtproblemen, schweren Depressionen sowie anderen psychiatrischen Auffälligkeiten können in der ambulanten Praxis grosse Schwierigkeiten bereiten und eine Hospitalisation erforderlich machen. Auch unhaltbare familiäre Situationen, schwierige partnerschaftliche Verhältnisse sowie ungünstige Wohnsituationen können die destruktiven Verhaltensmuster und die Symptome verschlechtern oder chronifizieren. In diesen Fällen ist der Abstand oder die Trennung von der Umgebung sinnvoll. Auch bei Menschen, die sozial isoliert leben oder erfolglose, lange ambulante Therapien hinter sich haben, kann eine stationäre Psychotherapie sinnvoll sein. Die heutigen stationären psychotherapeutischen Behandlungen bieten multimodale Behandlungsprogramme an, die eine Kombination und Integration der oben erwähnten Therapieformen darstellen. In der Regel dauert eine stationäre Therapie mehrere Wochen bis Monate. Nach Abschluss ist eine Weiterführung der Behandlung im Rahmen einer ambulanten Therapie notwendig und entscheidend für die Stabilisierung des erreichten therapeutischen Erfolgs.

Pharmakologische Behandlung
Die Behandlung mit Psychopharmaka bei Essstörungen setzt vorwiegend bei psychiatrischen Begleiterscheinungen an und ist nur in Kombination mit psychotherapeutischen Methoden sinnvoll. Antidepressiva, vor allem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), sind als die Medikamente erster Wahl anzusehen. Fluoxetin ist die im Gebiet der Essstörungen am meisten untersuchte Substanz. Einzelne Studien konnten eine positive Wirkung direkt auf die bulimischen Symptome aufzeigen. SSRI werden mit guten Resultaten auch bei Zwangssymptomen in der Therapie der Magersucht eingesetzt.