BMI und Körpergewicht
Warum Gesundheit mehr ist als eine Zahl
Die AES verzichtet bewusst auf einen eigenen BMI-Rechner. Denn Körpergewicht und Gesundheit lassen sich nicht allein über eine Zahl beurteilen. Der Body-Mass-Index, kurz BMI, kann eine grobe Orientierung geben. Er sagt aber wenig darüber aus, wie ein Mensch isst, wie er sich fühlt, wie belastet er ist oder wie er den eigenen Körper erlebt.
Ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper ist mehr als ein bestimmter BMI-Wert. Entscheidend sind auch Essverhalten, Bewegung, körperliche Gesundheit, psychische Belastung, Selbstwert, Körperbild und Lebensqualität.
Was der BMI kann – und was nicht
Der BMI setzt Körpergewicht und Körpergrösse in Beziehung. Er kann Hinweise geben, ob aus medizinischer Sicht eine weitere Abklärung sinnvoll sein könnte. Als alleinige Beurteilung reicht er jedoch nicht aus.
Der BMI sagt nichts darüber aus,
wie ausgewogen sich jemand ernährt
ob jemand unter dem eigenen Essverhalten leidet
ob eine Essstörung vorliegt
wie stabil Gewicht und Gesundheit sind
wie sich jemand im eigenen Körper fühlt
ob Gewicht durch Krankheit, Medikamente, Stress oder andere Faktoren beeinflusst wird
wie viel Muskelmasse, Fettmasse oder Wasseranteil vorhanden ist
Auch Menschen mit einem BMI im sogenannten Normalbereich können unter einer Essstörung, starkem Leidensdruck oder einem belasteten Körperbild leiden. Umgekehrt bedeutet ein höherer BMI nicht automatisch, dass eine Essstörung vorliegt.
Wann medizinische Abklärung sinnvoll ist
Eine ärztliche Abklärung kann sinnvoll sein, wenn das Körpergewicht sehr tief oder sehr hoch ist, wenn sich das Gewicht stark verändert oder wenn körperliche Beschwerden auftreten.
Besonders wichtig ist eine fachliche Einschätzung bei:
starkem Untergewicht
starker Gewichtsabnahme
starker Gewichtszunahme
häufigen Gewichtsschwankungen
anhaltender Erschöpfung oder Kreislaufbeschwerden
Ausbleiben der Menstruation
Verdauungsbeschwerden
Essanfällen
Erbrechen, Fasten oder übermässigem Sport als Versuch, Essen auszugleichen
starkem Leidensdruck rund um Essen, Gewicht oder Körper
Wenn Sie unsicher sind, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, eine Fachperson oder eine Beratungsstelle. Auch die AES kann helfen, die Situation einzuordnen und mögliche nächste Schritte zu klären.
BMI bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen kann der BMI nicht gleich beurteilt werden wie bei Erwachsenen. Im Wachstum verändern sich Körpergrösse, Gewicht und Körperzusammensetzung laufend. Deshalb müssen BMI-Werte bei Kindern und Jugendlichen alters- und geschlechtsspezifisch eingeordnet werden.
Ein einzelner Wert reicht nicht aus, um die Gesundheit eines Kindes oder Jugendlichen zu beurteilen. Entscheidend sind Entwicklung, Wachstum, körperliche Gesundheit, Essverhalten, Bewegung, psychische Belastung und das Körperbild.
Bei Unsicherheiten ist eine kinderärztliche oder jugendmedizinische Einschätzung sinnvoll.
Wenn Gewicht oder Körperbild belasten
Nicht nur ein auffälliger BMI kann belastend sein. Auch Menschen mit unauffälligem Gewicht können sich zu dick, zu schwer, zu wenig kontrolliert oder im eigenen Körper fremd fühlen. Wenn Essen, Gewicht, Figur oder Körperkontrolle immer mehr Raum einnehmen, kann Unterstützung sinnvoll sein.
Warnzeichen können sein:
häufige Gedanken an Gewicht, Figur oder Kalorien
starke Angst vor Gewichtszunahme
wiederholte Diäten oder strenge Essregeln
Schuldgefühle nach dem Essen
sozialer Rückzug rund um Mahlzeiten
Essanfälle, mit oder ohne anschliessende Versuche, das Essen auszugleichen, zum Beispiel durch Erbrechen, Fasten oder übermässigen Sport
das Gefühl, den eigenen Körper kaum noch annehmen zu können
hoher Leidensdruck trotz unauffälligem BMI
Nicht jedes einzelne Warnzeichen bedeutet automatisch, dass eine Essstörung vorliegt. Entscheidend ist, ob Essen, Gewicht und Körper zunehmend das Denken, Fühlen und Verhalten bestimmen.
Was helfen kann
Es kann entlastend sein, Körpergewicht nicht isoliert zu betrachten. Ein BMI-Wert kann eine Information sein – aber er ist keine Diagnose und keine Aussage über den Wert eines Menschen.
Hilfreich kann sein, den Blick zu erweitern: Wie geht es mir körperlich? Wie belastend ist mein Essverhalten? Wie viel Raum nehmen Gewicht, Körper und Kontrolle in meinem Alltag ein? Kann ich flexibel essen? Kann ich auf Hunger, Sättigung und Bedürfnisse achten? Habe ich Angst vor bestimmten Lebensmitteln oder Situationen?
Fachliche Unterstützung kann helfen, diese Fragen einzuordnen. Es geht nicht darum, eine Zahl zu erreichen. Es geht darum, wieder mehr Sicherheit, Stabilität und Lebensqualität im Umgang mit Essen und dem eigenen Körper zu entwickeln.
Sie sind nicht allein
Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Gewicht, Ihr Essverhalten oder Ihr Körperbild machen, können Sie sich an die AES wenden. Ein erstes Gespräch kann helfen, die Situation einzuordnen und mögliche nächste Schritte zu klären.
Oder schreiben Sie uns direkt an beratung@aes.ch.
Mehr zur Beratung der AES finden Sie hier.
Flyer: Mein gesundes Körpergewicht
Was bedeutet eigentlich ein gesundes Körpergewicht? Wann ist der BMI hilfreich – und wo sind seine Grenzen?
Der AES-Flyer «Mein gesundes Körpergewicht» bietet eine verständliche Orientierung zu Körpergewicht, BMI und Körperwahrnehmung. Er eignet sich für Betroffene, Angehörige, Fachpersonen und alle, die sich differenziert mit dem Thema auseinandersetzen möchten.
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Flyer bestellen Sie können den Flyer kostenlos bei der AES bestellen. Bei Bestellungen ab 50 Exemplaren verrechnen wir eine Pauschale von CHF 5.– für Porto und Verpackung.
Häufige Fragen
Warum bietet die AES keinen BMI-Rechner an?
Die AES verzichtet bewusst auf einen eigenen BMI-Rechner, weil Körpergewicht und Gesundheit nicht allein über eine Zahl beurteilt werden können. Der BMI kann eine grobe Orientierung geben, sagt aber nichts darüber aus, ob eine Essstörung vorliegt oder wie belastet jemand ist.
Ist der BMI überhaupt sinnvoll?
Der BMI kann in bestimmten Situationen ein grober Hinweis sein, ob eine medizinische Abklärung sinnvoll ist. Er ersetzt aber keine fachliche Einschätzung und berücksichtigt wichtige Faktoren wie Körperzusammensetzung, Essverhalten, psychische Belastung und Körperbild nicht.
Kann ich trotz normalem BMI eine Essstörung haben?
Ja. Eine Essstörung lässt sich nicht am BMI allein erkennen. Auch Menschen mit unauffälligem Gewicht können stark unter Essanfällen, restriktivem Essen, Angst vor Gewichtszunahme, Erbrechen, übermässigem Sport oder einem belasteten Körperbild leiden.
Wann sollte ich mir Unterstützung holen?
Unterstützung ist sinnvoll, wenn Essen, Gewicht oder Körper zunehmend das Denken, Fühlen oder Verhalten bestimmen, wenn starker Leidensdruck entsteht oder wenn sich das Gewicht deutlich verändert.
Gilt der BMI bei Kindern und Jugendlichen gleich wie bei Erwachsenen?
Nein. Bei Kindern und Jugendlichen muss der BMI alters- und geschlechtsspezifisch beurteilt werden, weil sich Körpergrösse, Gewicht und Körperzusammensetzung im Wachstum laufend verändern.
Quellen und weiterführende Informationen
Fachinformationen
!!! LInk nicht mehr gültig - ich habe keinen Rechner gefunden - welchen Ersatz schlagt ihr vor??? SGE - Schweizerische Gesellschaft für Ernährung: BMI-Rechner und Informationen zum Körpergewicht
Berufsverband Kinder und Jugendärzt:innen DE: BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche
Weiterführende Informationen
SPIEGELBILDER: Projekt zu positivem Selbstbild, Körperwahrnehmung und Selbstakzeptanz